Wer in Aachen eine Wohnung oder ein Haus sucht, merkt schnell: Der Markt hat sich in den vergangenen zwei Jahren spürbar verändert. Die Zinswende hat Kaufentscheidungen neu geordnet, die Mietkurve zeigt weiter nach oben, und gleichzeitig stehen mehr Objekte zum Verkauf als noch 2022. Was das konkret für Käufer und Mieter bedeutet, lässt sich nicht pauschal beantworten, wohl aber anhand belastbarer Zahlen einordnen.
Wo der Kaufmarkt 2026 steht
Nach dem Preishoch 2022 sind die Kaufpreise für Bestandswohnungen in Aachen um durchschnittlich 8 bis 12 Prozent gefallen. Ein Beispiel: Eine 80-Quadratmeter-Wohnung in Burtscheid, die 2022 noch für 320.000 Euro angeboten wurde, kostet heute je nach Zustand zwischen 275.000 und 295.000 Euro. In Bestlagen wie dem Frankenberger Viertel oder direkt am Lousberg sind die Rückgänge geringer ausgefallen, weil die Nachfrage dort stabiler geblieben ist.
Entscheidend für die Kaufkalkulation ist das Zinsniveau. Wer heute eine Finanzierung über 250.000 Euro mit zehnjähriger Zinsbindung abschließt, zahlt bei einem Zinssatz von rund 3,8 Prozent und zwei Prozent Tilgung eine monatliche Rate von knapp 1.200 Euro. 2021 wäre dieselbe Summe bei 1,1 Prozent Zinsen für unter 700 Euro monatlich zu haben gewesen. Die nominell gesunkenen Kaufpreise gleichen den Zinseffekt für viele Haushalte also nur teilweise aus.
Mietmarkt: Wenig Entspannung in Sicht
Auf der Mieterseite sieht die Lage anders aus. Die Angebotsmieten für Neuverträge in Aachen lagen Anfang 2026 im Schnitt bei 13,50 bis 15,00 Euro netto kalt je Quadratmeter. Für eine 70-Quadratmeter-Wohnung bedeutet das eine Kaltmiete zwischen 945 und 1.050 Euro. Noch 2019 war dieselbe Fläche für 750 bis 850 Euro zu finden.
Treiber sind vor allem zwei Faktoren: die hohe Studierendenzahl der RWTH und FH Aachen sowie die geringe Neubautätigkeit. 2024 wurden in Aachen lediglich rund 600 neue Wohneinheiten fertiggestellt, während die Nachfrage nach Schätzungen des städtischen Wohnraumberichts bei über 1.000 Einheiten jährlich liegt. Dieses Defizit drückt die Leerstandsquote auf unter zwei Prozent, was Vermieter strukturell in eine starke Verhandlungsposition versetzt.
Kaufen oder mieten: Die Rechnung im Detail
Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber eine einfache Vergleichsrechnung hilft bei der Einordnung. Wer eine 75-Quadratmeter-Wohnung kauft und 290.000 Euro finanziert, zahlt inklusive Nebenkosten (Grunderwerbsteuer NRW 6,5 Prozent, Notar, Makler) rund 330.000 Euro Gesamtinvestition. Bei 20 Prozent Eigenkapital bleibt ein Darlehen von 264.000 Euro. Die monatliche Rate liegt bei rund 1.270 Euro. Eine vergleichbare Mietwohnung kostet aktuell 950 bis 1.050 Euro kalt.
Die Differenz von 220 bis 320 Euro pro Monat klingt nach einem Argument für das Mieten. Tatsächlich muss sie aber gegen den Vermögensaufbau durch Tilgung gerechnet werden: Nach zehn Jahren sind bei zwei Prozent Tilgung rund 50.000 Euro des Darlehens getilgt. Ob das die Zinsmehrkosten aufwiegt, hängt von der Preisentwicklung des Objekts, der persönlichen Flexibilität und dem geplanten Zeithorizont ab.
Für wen Kaufen rechnet sich eher
- Zeithorizont mindestens zehn Jahre: Kurzfristig gleichen Kaufnebenkosten und Zinsen den Vermögensaufbau nicht aus.
- Eigenkapital ab 20 Prozent: Darunter werden Zinsen und Beleihungsaufschläge der Banken schnell zum Problem.
- Sanierungsbedarf einkalkuliert: Viele Bestandsobjekte in Aachen haben Energieeffizienzklassen D bis G. Wer das ignoriert, riskiert teure Nachrüstungspflichten durch EU-Vorgaben.
- Berufliche Stabilität vorhanden: Ortswechsel innerhalb weniger Jahre machen den Kauf rechnerisch fast immer zum Verlustgeschäft.
Stadtteile im Vergleich: Wo sich was bewegt
Nicht ganz Aachen verhält sich gleich. Wer den Markt kennt, erkennt deutliche Unterschiede zwischen den Stadtteilen. Spezialisten, die den Aachener Markt gezielt beobachten, wie etwa Anbieter auf dem Portal Immobilien Aachen, berichten von wachsendem Interesse an Randlagen wie Richterich, Haaren oder Brand, wo die Preise pro Quadratmeter noch 15 bis 25 Prozent unter denen innenstadtnaher Lagen liegen.
Konkret: In Brand liegt der mittlere Kaufpreis für Reihenhäuser aktuell bei rund 3.200 Euro je Quadratmeter, im Frankenberger Viertel bei 4.500 bis 5.000 Euro. Für Kapitalanleger sind Objekte in Hochschulnähe, also rund um den Ponttor oder in der Innenstadt, nach wie vor interessant, weil die Vermietbarkeit dort nahezu gesichert ist.
Was Käufer und Mieter 2026 konkret beachten sollten
Der Markt ist kein einfaches Umfeld mehr, weder für Käufer noch für Mieter. Wer kaufen will, sollte Angebote nicht unter Zeitdruck entscheiden. Die Verweildauer von Immobilien auf Plattformen wie Immoscout24 oder Kleinanzeigen liegt in Aachen aktuell bei durchschnittlich 45 bis 60 Tagen, deutlich länger als 2021 mit unter 14 Tagen. Das gibt Spielraum für Verhandlungen und für eine gründliche Prüfung des Energieausweises.
Wer mietet, sollte die Betriebskostenabrechnung der Vorjahre vor Vertragsabschluss einfordern. Gerade in älteren Gebäuden sind Heizkosten von zwei Euro und mehr je Quadratmeter keine Seltenheit. Bei 70 Quadratmetern sind das 1.680 Euro im Jahr zusätzlich zur Kaltmiete. Wer das bei der Budgetplanung übersieht, landet schnell in einer Kostenfalle.
Checkliste für den nächsten Schritt
- Kaufinteressierte: Energieausweis und Sanierungsrückstand prüfen, Hausgeldabrechnung bei ETW einholen, Finanzierungsrahmen mit mindestens zwei Banken vergleichen.
- Mietinteressierte: Betriebskostenspiegel des letzten Jahres verlangen, Mietpreisbremse in Aachen prüfen (gilt für angespannte Wohnungsmärkte), Maklerkosten klären (gilt seit 2020 das Bestellerprinzip).
- Beide Gruppen: Stadtteillage mit ÖPNV-Anbindung und Infrastruktur abgleichen, nicht nur den Preis isoliert bewerten.
Fazit: Marktkenntnis ist der eigentliche Vorteil
Der Aachener Immobilienmarkt 2026 bietet weder Käufern noch Mietern eine komfortable Ausgangslage. Die gesunkenen Kaufpreise sind real, aber durch gestiegene Zinsen und Nebenkosten in ihrer Wirkung begrenzt. Die Mietpreise bleiben hoch und werden es bei gleichbleibend niedrigem Neubauvolumen auch bleiben. Wer jetzt eine fundierte Entscheidung treffen will, braucht keine Markteuphorie und keine Panik. Sondern konkrete Zahlen, einen klaren Zeithorizont und den Mut, Objekte nicht auf den ersten Blick zu akzeptieren, sondern gründlich zu prüfen.


