Eine Kaffeemaschine, die wochenlang nicht gereinigt wird, liefert schlechteren Kaffee und verschleißt schneller. Das ist keine Übertreibung: Kalk isoliert Heizelemente thermisch, sodass sie mehr Strom verbrauchen und trotzdem niedrigere Temperaturen erreichen. Gleichzeitig werden ranzige Kaffeeöle in Brühkopf und Siebträger immer bitterer und übertragen sich auf jede neue Tasse. Wer beides im Griff hat, trinkt besseren Kaffee und spart Reparaturkosten.
Warum Kalk so problematisch ist
Leitungswasser enthält gelöste Mineralien, vor allem Kalzium- und Magnesiumverbindungen. Beim Erhitzen fällt Kalk aus und lagert sich als weißgrauer Belag ab. In Vollautomaten und Espressomaschinen betrifft das Durchlauferhitzer, Thermoblock und Dampflanze gleichzeitig. Ein Kalkbelag von nur einem Millimeter Dicke auf einem Heizelement erhöht den Energieverbrauch laut Studien des Fraunhofer-Instituts um bis zu 10 Prozent. Bei starker Verkalkung kann die Durchflussrate so weit sinken, dass die Maschine den Brühdruck nicht mehr aufbaut.
Wie schnell Kalk entsteht, hängt von der Wasserhärte ab. In Berlin liegt diese bei rund 14 bis 25 Grad deutscher Härte (°dH), in München bei über 16 °dH. Wer täglich drei bis vier Tassen kocht, sollte in Regionen mit mittlerer Härte alle vier bis sechs Wochen entkalken, bei sehr hartem Wasser alle zwei bis drei Wochen.
Die richtigen Entkalkungsmittel im Vergleich
Grundsätzlich stehen zwei Optionen zur Wahl: Zitronensäure und spezielle Entkalkungsmittel auf Basis von Milchsäure oder anderen organischen Säuren. Beide lösen Kalk effektiv auf, unterscheiden sich aber in Handhabung und Materialverträglichkeit.
- Zitronensäure: Günstig, im Drogeriemarkt erhältlich, für die meisten Maschinen geeignet. 20 bis 30 Gramm auf einen Liter Wasser ergibt eine ausreichend konzentrierte Lösung. Nachteil: Zitronensäure kann sich in Dichtungen und Schläuchen festsetzen, wenn nicht gründlich nachgespült wird.
- Milchsäure-Entkalker: Schonender zu Dichtungen, von vielen Herstellern offiziell empfohlen. Teurer als Zitronensäure, aber rückstandsärmer.
- Essigsäure oder Haushaltsessig: Funktioniert prinzipiell, hinterlässt aber hartnäckige Gerüche, die sich in die nächsten Tassen übertragen. Für Kaffeemaschinen nicht zu empfehlen.
Wer eine hochwertigere Espressomaschine betreibt, sollte auf die Herstellerempfehlung achten. Bei Maschinen mit Aluminiumbauteilen können zu konzentrierte Säurelösungen Korrosion auslösen.
Entkalken Schritt für Schritt
Das Vorgehen unterscheidet sich je nach Maschinentyp, folgt aber einem gemeinsamen Prinzip: Entkalkerlösung einlegen, Programm starten oder manuell durchlaufen lassen, mehrfach mit klarem Wasser nachspülen.
Bei einem Vollautomaten startet man das Entkalkungsprogramm über das Menü, füllt die Lösung in den Wassertank und führt den Prozess komplett durch. Das dauert je nach Modell 20 bis 45 Minuten. Danach mindestens zwei volle Tankfüllungen klares Wasser durchlaufen lassen.
Bei einer Siebträgermaschine ohne automatisches Programm füllt man die Entkalkerlösung in den Tank, lässt etwa die Hälfte durch die Brühgruppe laufen, wartet 15 Minuten, lässt den Rest durch und spült dann mit zwei vollen Tanks nach. Die Dampflanze separat behandeln: kurz mit Dampf ausblasen, dann mit einem feuchten Tuch von außen abwischen.
Für alle, die sich für langlebige Geräte interessieren oder eine Neuanschaffung planen: Professionelle Kaffeemaschinen sind oft so konstruiert, dass Wartung und Entkalkung deutlich einfacher und schneller gehen als bei Einsteigermodellen.
Kaffeeöle und Rückstände aus der Brühgruppe entfernen
Neben Kalk sind oxidierte Kaffeeöle das zweite große Problem. Sie entstehen, weil der Kaffee beim Brühen Öle freisetzt, die sich in Siebträger, Duschsieb und Brühkopf ablagern. Schon nach wenigen Tagen reagieren diese Öle mit Sauerstoff und werden ranzig. Das Ergebnis: eine Tasse mit unangenehmem, kratzig-bitteren Abgang.
Siebträger und Siebe sollten täglich nach dem letzten Gebrauch mit heißem Wasser ausgespült und wöchentlich mit einem speziellen Reinigungstabs oder -pulver rückgespült werden (sogenanntes Backflushing). Dabei wird ein blinder Sieb eingesetzt, das Reinigungsmittel dazugegeben und der Brühvorgang mehrfach kurz aktiviert. Der entstehende Gegendruck drückt gelöste Öle zurück und aus der Maschine heraus. Für diesen Zweck eignen sich Produkte wie Puly Caff oder French Press-taugliche Reinigungspulver ab etwa 10 Euro für 100 Gramm.
Mahlwerk und Kaffeebehälter nicht vergessen
Ein Fehler, der häufig gemacht wird: Mahlwerk und Bohnenbehälter werden selten bis nie gereinigt. Dabei lagern sich auch dort Kaffeeöle und Mehlreste ab, die Schimmel begünstigen. Den Bohnenbehälter alle vier Wochen mit einem trockenen Tuch auswischen und gelegentlich mit Mahlwerksreinigungsgranulat (zum Beispiel Urnex Grindz) durchlaufen lassen, reicht aus.
Reinigungsintervalle auf einen Blick
| Aufgabe | Intervall | Aufwand |
|---|---|---|
| Siebträger und Siebe spülen | Täglich | 2 Minuten |
| Backflushing mit Reinigungsmittel | Wöchentlich | 10 Minuten |
| Entkalken | Alle 4 bis 8 Wochen | 30 bis 45 Minuten |
| Bohnenbehälter reinigen | Monatlich | 5 Minuten |
| Mahlwerk mit Granulat reinigen | Alle 3 Monate | 5 Minuten |
Filterwasser als vorbeugende Maßnahme
Wer den Reinigungsaufwand dauerhaft reduzieren will, nutzt gefiltertes Wasser. Aktivkohlefilter, wie sie etwa Brita anbietet, reduzieren die Wasserhärte spürbar und verlängern die Entkalkungsintervalle. Allerdings sollte man beachten, dass zu weiches Wasser (unter 4 °dH) aggressiv gegenüber Metallen ist und Korrosion fördern kann. Das optimale Fenster für Kaffeemaschinen liegt laut Specialty Coffee Association zwischen 6 und 10 °dH.
Alternativ bieten einige Hersteller interne Filterpatronen an, die direkt im Wassertank sitzen. Diese müssen alle zwei bis drei Monate gewechselt werden und kosten je nach Modell zwischen 8 und 20 Euro. Auf lange Sicht günstiger als häufige Reparaturen durch Kalkschäden.
Regelmäßige Pflege ist kein Aufwand, sondern eine Investition. Wer einmal die fünf Minuten täglich und die halbe Stunde monatlich einplant, hat eine Maschine, die zuverlässig guten Kaffee macht, und das über Jahre.


