Informatikstudium 2026: Was Bewerber wissen müssen

Der Informatik-Boom hält an, aber er hat eine Kehrseite: Die Bewerberzahlen steigen, die Anforderungen werden schärfer, und wer unvorbereitet in den Auswahlprozess geht, verliert wertvolle Monate. Rund 100.000 Erstsemester schreiben sich pro Jahr bundesweit in Informatik-nahe Studiengänge ein. Wer 2026 dabei sein will, sollte die Spielregeln kennen, bevor er die erste Bewerbung abschickt.

NC, Wartesemester und freier Zugang: Was wirklich gilt

Informatik ist an den meisten deutschen Hochschulen kein bundesweit zulassungsbeschränktes Fach. Das klingt nach einer guten Nachricht, täuscht aber. Viele TU-Standorte und Fachhochschulen mit starkem Praxisruf vergeben ihre Plätze über lokale NC-Verfahren. An der TU München lag der NC im Wintersemester 2024/25 bei 1,6, an der RWTH Aachen wurden bestimmte Plätze über Eignungstests vergeben.

Wer einen Abiturschnitt jenseits der 2,5 hat, sollte gezielt nach Hochschulen suchen, die entweder frei zugänglich sind oder stark auf Aufnahmetests setzen. Letztere lassen sich vorbereiten, ein Abiturschnitt nicht nachträglich verbessern. Informiere dich also frühzeitig, welche Hochschule welches Verfahren nutzt. Eine simple Liste im Bewerbungsportal reicht dafür nicht aus.

Mathematik: Die eigentliche Einstiegshürde

Fast jeder Studienabbrecher in Informatik nennt im Nachhinein denselben Grund: Mathematik. Lineare Algebra und Analysis sind in den ersten zwei Semestern Pflicht, und die Klausuranforderungen liegen deutlich über Abiturniveau. Das gilt selbst dann, wenn man in der Schule gut in Mathe war.

Konkret bedeutet das: Wer Vektoren, Mengen und Ableitungen nicht sicher beherrscht, wird in der Vorlesungszeit kaum aufholen. Die Inhalte kommen schnell, die Übungsgruppen sind groß, individuelle Betreuung ist rar. Sinnvoll ist es daher, noch vor Studienbeginn gezielt Lücken zu schließen. Wer sich dabei allein schwertut, findet mit einer guten Informatik Nachhilfe eine strukturierte Möglichkeit, die Grundlagen aufzufrischen, ohne dabei auf teure Präsenzangebote angewiesen zu sein.

Für Schüler gilt: Mathe-Leistungskurs ist kein Garant, aber ein echter Vorteil. Wer ihn nicht belegt hat, sollte den Sommer vor dem Studium nutzen, nicht für Urlaub, sondern für gezielte Wiederholung.

Der Quereinsteiger-Weg: Realistisch betrachtet

Quereinsteiger ohne klassischen Informatik-Hintergrund stellen eine wachsende Gruppe unter den Bewerbern. Viele kommen aus kaufmännischen Berufen, aus der Pflege oder aus Handwerksberufen und wollen umschulen. Das funktioniert, aber nicht so schnell, wie YouTube-Videos es manchmal versprechen.

Wer über den zweiten Bildungsweg an die Hochschule kommt, etwa über eine berufliche Ausbildung plus mehrjährige Berufserfahrung, sollte sich mit dem Konzept der Hochschulzulassung ohne Abitur vertraut machen. In den meisten Bundesländern ist das möglich, aber die Anforderungen unterscheiden sich erheblich. Bayern verlangt eine Aufnahmeprüfung, Nordrhein-Westfalen setzt auf ein Probestudium. Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Alternativen zum klassischen Vollzeitstudium sind für Quereinsteiger oft sinnvoller:

  • Duales Studium: Kombination aus Betrieb und Hochschule, oft mit Gehalt ab dem ersten Tag. Besonders bei Unternehmen wie SAP, Bosch oder Telekom stark nachgefragt.
  • Fernstudium: FernUni Hagen oder private Anbieter wie IU und AKAD ermöglichen flexibles Lernen neben dem Job. Abschlüsse sind anerkannt, der Selbstdisziplin-Bedarf ist hoch.
  • Teilzeitstudium: Einige Hochschulen bieten Informatik explizit in Teilzeit an, was besonders für Eltern oder Berufstätige relevant ist.

Programmieren vor dem Studium: Sinnvoll oder überschätzt?

Eine häufige Frage lautet: Muss ich vor dem Studium schon programmieren können? Die ehrliche Antwort lautet: Es hilft, aber es ist keine Voraussetzung. Die meisten Studiengänge setzen keine Vorkenntnisse voraus und beginnen mit Grundlagen in Python oder Java.

Wer jedoch schon etwas Erfahrung mitbringt, profitiert in den ersten Semestern von einem deutlich entspannteren Einstieg. Zwei bis drei Monate eigenständiges Lernen mit freien Plattformen wie der Dokumentation von Python oder einfachen Projekten auf GitHub können den Unterschied machen, ob man die erste Prüfungsphase mit Puffer oder unter Volldampf durchläuft.

Wichtiger als die Programmiersprache ist das Verständnis für logisches Denken und Problemlösung. Wer nie ein Schachproblem oder ein Zahlenrätsel zu Ende gedacht hat, sollte sich fragen, ob der Reiz von Informatik wirklich im Fach liegt oder nur im Jobmarkt.

Was Hochschulen 2026 tatsächlich bewerten

Neben dem Abiturschnitt fließen an vielen Hochschulen zusätzliche Faktoren in die Zulassung ein. Eine Übersicht typischer Kriterien:

Kriterium Gewichtung (Beispiel TU-Standorte)
Abiturdurchschnitt 60 bis 80 Prozent
Mathe-Note im Abschluss Bonuspunkte möglich
Eignungstest oder Auswahlgespräch 10 bis 40 Prozent
Berufliche Ausbildung oder Praktika Bonuspunkte an einzelnen HS
Wartesemester bis zu 20 Prozent der Plätze

Diese Gewichtungen sind nicht einheitlich und ändern sich von Semester zu Semester. Wer sich auf eine bestimmte Hochschule festgelegt hat, sollte direkt beim Prüfungsamt nachfragen, nicht nur auf der Website lesen.

Zeitplan für Bewerber 2026

Wer zum Wintersemester 2026/27 beginnen möchte, sollte spätestens im Frühjahr 2026 konkret werden. Bewerbungsfristen liegen je nach Hochschule zwischen dem 15. Mai und dem 15. Juli. Für zulassungsfreie Studiengänge gilt oft eine spätere Frist, manchmal noch im August.

Wer über das duale Studium nachdenkt, muss deutlich früher handeln. Viele Unternehmen schließen ihre Auswahlverfahren bereits im Januar oder Februar ab. Ein Bewerbungsstart im Herbst 2025 ist für diese Route realistisch, kein Übereifer.

Quereinsteiger mit Berufserfahrung sollten die Zulassungsberatung ihrer Wunschhochschule persönlich kontaktieren, weil Sonderfälle selten vollständig auf Websites abgebildet werden. Ein Telefonat kann Monate an Unklarheit ersparen.

Informatik bleibt eines der gefragtesten Studienfelder überhaupt. Wer aber glaubt, die Bewerbung sei der schwerste Teil, unterschätzt das Studium. Vorbereitung lohnt sich, und sie beginnt früher als die meisten denken.