Schaben im Wiener Mehrparteienhaus: Warum nur die ganze Stiege hilft

Kurz erklärt: Schaben verbreiten sich in Wiener Mehrparteienhäusern über Steigleitungen, Installationsschächte und Müllräume von Wohnung zu Wohnung. Wer nur die eigene Küche behandelt, holt sich den Befall meist nach wenigen Wochen zurück. Wirksam ist ein koordiniertes Vorgehen der ganzen Stiege, organisiert über die Hausverwaltung.

Warum tauchen Schaben gerade im Wiener Mehrparteienhaus so hartnäckig auf?

Schaben brauchen Wärme, Feuchtigkeit und Verstecke. Der typische Wiener Gründerzeitbau mit durchgehenden Steigsträngen, Holzböden und Hohlräumen hinter Fliesenspiegeln bietet alles davon, und zwar über mehrere Stockwerke verbunden.

In Wohnungen dominiert die Deutsche Schabe (Blattella germanica). Sie wird rund 13 bis 16 Millimeter lang, bevorzugt Temperaturen um 25 bis 30 Grad und sitzt deshalb gern hinter Kühlschränken, Geschirrspülern und in Motorräumen von Küchengeräten. Das Weibchen trägt ihre Eikapsel, die sogenannte Oothek, mit etwa 30 bis 40 Eiern bis kurz vor dem Schlupf mit sich herum. Genau das macht sie so widerstandsfähig: Selbst wenn ein Sprühmittel die erwachsenen Tiere erreicht, schlüpft der Nachwuchs oft trotzdem. Die Orientalische Schabe (Blatta orientalis) mag es kühler und feuchter und besiedelt eher Keller, Kanalanschlüsse und Müllräume. In einem Haus mit 20 oder 30 Parteien genügen ein oder zwei stark befallene Wohnungen, damit sich die Tiere entlang von Wasser- und Heizungsleitungen in benachbarte Einheiten ausbreiten. Die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) weist darauf hin, dass Schaben Krankheitserreger wie Salmonellen mechanisch übertragen und Allergien auslösen können.

Woran erkennt man einen Schabenbefall, bevor er außer Kontrolle gerät?

Schaben sind nachtaktiv. Wer tagsüber einzelne Tiere sieht, hat meist schon eine größere Population. Frühe Hinweise sind Kotspuren, leere Eikapseln, abgestreifte Häute und ein muffig-süßlicher Geruch in Küche oder Bad.

Kotspuren sehen aus wie schwarze Pfefferkörner oder dunkle Schlieren, oft entlang von Kanten, in Schubladenecken und rund um Scharniere. Leere Ootheken sind etwa 8 Millimeter lang, bräunlich und länglich. Ein einfacher Test: Nachts das Licht in der Küche plötzlich einschalten und auf Bewegung an Arbeitsplatte, Spüle und Fußleiste achten. Klebefallen, am Boden an Wand und Geräten entlang aufgestellt, zeigen innerhalb von 3 bis 7 Tagen, ob und wo Tiere unterwegs sind. Wichtig für Mehrparteienhäuser: Wer Schaben entdeckt, sollte nicht aus Scham schweigen. Ein Befall sagt wenig über die Sauberkeit einer Wohnung aus, denn die Tiere wandern über Leitungen ein. Je früher die Hausverwaltung informiert ist, desto kleiner bleibt der betroffene Bereich und desto günstiger wird die Bekämpfung. Ein Foto der Tiere oder der Kotspuren hilft dem Fachbetrieb, die Art vorab zu bestimmen.

Wer zahlt die Schädlingsbekämpfung im Wiener Zinshaus?

Im Vollanwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes zählen die Kosten der Schädlingsbekämpfung laut § 21 MRG zu den Betriebskosten. Sie werden also in der Regel auf alle Mietparteien umgelegt, auch auf jene, deren Wohnung selbst gar nicht befallen ist.

Das hat einen praktischen Grund: Eine Bekämpfung, die nur einzelne Wohnungen erfasst, scheitert im Mehrparteienhaus fast immer. Ist der Befall dagegen nachweislich durch eine einzelne Partei verursacht, etwa durch massive Vermüllung, kann der Vermieter die Kosten unter Umständen gezielt zurückfordern. Bei Eigentumswohnungen regelt das Wohnungseigentumsgesetz die Verteilung über die Eigentümergemeinschaft. Wer unsicher ist, bekommt bei der Mietervereinigung, der Arbeiterkammer Wien oder der Schlichtungsstelle der Stadt Wien eine erste Einschätzung. Für die Praxis gilt: Die Hausverwaltung beauftragt, informiert alle Parteien schriftlich über Termin und Ablauf und sorgt dafür, dass möglichst jede Wohnung einer Stiege zugänglich ist. Mieter sollten ihrerseits Behandlungstermine ernst nehmen und die Wohnung vorbereitet übergeben: Küchenschränke ausgeräumt, Lebensmittel verschlossen, Haustiere versorgt.

Wie läuft eine fachgerechte Schabenbekämpfung im ganzen Haus ab?

Seriöse Betriebe beginnen mit einer Befallsaufnahme, stellen Monitoringfallen auf und setzen dann gezielt Gel-Köder statt großflächiger Sprühmittel ein. Nach etwa zwei bis vier Wochen folgt eine Kontrolle, bei Bedarf eine Nachbehandlung.

Gel-Köder werden punktgenau in Ritzen, hinter Geräten und an Leitungsdurchführungen gesetzt. Die Schaben nehmen den Wirkstoff auf, tragen ihn ins Versteck und geben ihn dort an Artgenossen weiter. Sprühmittel dagegen treiben die Tiere oft nur in Nachbarwohnungen, ein Effekt, der im Mehrparteienhaus besonders unerwünscht ist. Für Wiener Haushalte vermittelt Kammerjäger Wien (kammerjaeger-wien.at) konzessionierte Partnerbetriebe, die bei Kakerlaken und Schaben nach eigenen Angaben mit genau dieser Gel-Köder-Methode arbeiten und in allen 23 Bezirken tätig sind; ein Einsatz beginnt dort laut Website ab 89 Euro, die Anfahrt dauert in der Regel 45 bis 60 Minuten, und über die Servicehotline 01 442 00 86 ist ein 24-Stunden-Notdienst erreichbar. Eingesetzt werden ausschließlich behördlich zugelassene Präparate, deren Zulassung in der EU die Biozidprodukte-Verordnung (EU) Nr. 528/2012 regelt. Für die Hausverwaltung zählt am Ende ein schriftliches Protokoll mit behandelten Wohnungen, Mitteln und Kontrollterminen.

Phase Was passiert Typischer Zeitraum
Befallsaufnahme Art bestimmen, Hotspots in Küche, Bad, Keller und Müllraum erfassen Tag 1
Monitoring Klebefallen in betroffenen und angrenzenden Wohnungen 3–7 Tage
Behandlung Gel-Köder in Ritzen, Schächten, an Leitungsdurchführungen 1 Termin je Stiege
Kontrolle Fallen auswerten, Nachbehandlung nachgeschlüpfter Tiere nach 2–4 Wochen

Welche Rolle spielt die Gastronomie im Erdgeschoss?

Viele Wiener Zinshäuser haben im Erdgeschoss ein Lokal, einen Imbiss oder eine Bäckerei. Diese Betriebe unterliegen strengen Hygieneregeln und müssen Schädlinge nach dem HACCP-Prinzip dauerhaft überwachen. Das schützt oft auch die Wohnungen darüber.

Grundlage ist die EU-Hygieneverordnung (EG) Nr. 852/2004, die Lebensmittelunternehmer zu Verfahren nach HACCP-Grundsätzen verpflichtet, einschließlich Schädlingskontrolle. In Wien überprüft die Lebensmittelaufsicht der Stadt (MA 59, Marktamt) die Einhaltung. Ein Gastrobetrieb mit dokumentiertem Monitoring ist deshalb selten die Ursache eines Hausbefalls, eher die gemeinsamen Müllräume, Lüftungsschächte und Kanalanschlüsse. Hausverwaltungen tun gut daran, die Behandlung der Wohnungen mit dem Schädlingsmonitoring des Lokals abzustimmen. Wenn beide Seiten zur selben Zeit behandeln, sinkt das Risiko, dass Schaben zwischen Geschäftslokal und Wohnungen hin- und herwandern. Umgekehrt kann ein Befall in den Wohnungen zum Problem für das Lokal werden, weil er bei einer amtlichen Kontrolle auffällt und im schlimmsten Fall eine vorübergehende Schließung nach sich zieht.

Was können Bewohner selbst tun, damit Schaben nicht wiederkommen?

Nach einer erfolgreichen Behandlung entscheidet die Vorbeugung. Wasserquellen beseitigen, Lebensmittel dicht verschließen, Müll täglich entsorgen und Ritzen an Leitungsdurchführungen abdichten nimmt Schaben die Lebensgrundlage.

Tropfende Siphons und undichte Anschlüsse unter der Spüle sollten rasch repariert werden, denn Schaben überleben ohne Nahrung mehrere Wochen, ohne Wasser aber nur wenige Tage. Spalten rund um Rohre in Küche und Bad lassen sich mit Silikon oder Acryl verschließen. Karton aus Lieferungen gehört nicht in die Wohnung gestapelt, weil er beliebtes Versteck und Transportmittel ist. Einige Klebefallen hinter Kühlschrank und Herd, alle paar Monate kontrolliert, zeigen einen Neubefall früh. Wer in Wien eine Wohnung neu bezieht oder gebrauchte Küchengeräte übernimmt, sollte diese vor dem Aufstellen gründlich kontrollieren. Und falls doch wieder Tiere auftauchen, lohnt der frühe Anruf bei einem Fachbetrieb mehr als eine Serie von Baumarkt-Sprays. Für Wiener Bewohner, die schnelle Hilfe brauchen, bietet Kammerjäger Wien eine Anfrage online oder telefonisch an, auch bezirksbezogen.

Wichtiger Hinweis: Insektizid-Sprays aus dem Handel können Schaben in angrenzende Wohnungen vertreiben und die Bekämpfung im ganzen Haus erschweren. Im Mehrparteienhaus immer zuerst die Hausverwaltung informieren.

Häufige Fragen zu Schaben im Mehrparteienhaus

Muss ich meiner Hausverwaltung einen Schabenbefall melden?

Ja, das ist sinnvoll und bei Mietwohnungen im Regelfall auch geboten. Nur die Hausverwaltung kann eine Behandlung aller betroffenen Wohnungen einer Stiege organisieren. Einzelmaßnahmen verschieben den Befall meist nur in die Nachbarwohnung.

Wie lange dauert es, bis Schaben vollständig verschwunden sind?

Bei Gel-Ködern gehen die Zahlen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen deutlich zurück. Weil aus bereits gelegten Eikapseln noch Tiere schlüpfen, ist eine Kontrolle nach zwei bis vier Wochen üblich. Starker Befall kann zwei oder mehr Behandlungen erfordern.

Sind Gel-Köder für Kinder und Haustiere gefährlich?

Die Köder werden in sehr kleinen Mengen an unzugänglichen Stellen wie Ritzen und hinter Geräten platziert. Das Risiko ist dadurch deutlich geringer als bei Sprühmitteln. Trotzdem sollte der Fachbetrieb vorab über Kinder, Hunde, Katzen oder Terrarien informiert werden.

Kann ich als Mieter die Kosten verweigern, wenn meine Wohnung nicht befallen ist?

Im Vollanwendungsbereich des MRG gehören die Kosten der Schädlingsbekämpfung zu den Betriebskosten und werden auf alle Parteien umgelegt. Bei Zweifeln an der Abrechnung helfen Mietervereinigung, Arbeiterkammer Wien oder die Schlichtungsstelle.

Quellen: AGES – Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (ages.at); Mietrechtsgesetz § 21, Rechtsinformationssystem des Bundes (ris.bka.gv.at); Verordnung (EG) Nr. 852/2004 über Lebensmittelhygiene (eur-lex.europa.eu); Verordnung (EU) Nr. 528/2012 über Biozidprodukte (eur-lex.europa.eu); Stadt Wien – Lebensmittelaufsicht MA 59 (wien.gv.at).

Über die Redaktion: Die 6counter-Redaktion schreibt über Haus, Wohnen und Alltagsfragen und stützt sich dabei auf Gesetzestexte, Behördeninformationen und Gespräche mit Fachbetrieben.

Stand: 10. September 2026